Kreisklinik Bogen
  • Gesundheitsabend im Kulturforum

    „Knochen- und Gelenkimplantate im Fokus“

    Gesundheitsabend im Kulturforum
Neuigkeiten 2016

Leitender Oberarzt Dr. med. Raimund Bauer und Chefarzt Thomas Beer.

Knochen- und Gelenkimplantate für Beweglichkeit und Lebensqualität

Gesundheitsabend mit den Unfallchirurgen der Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf

Fremdkörper aus Metall und Kunststoff im Körper zu tragen ist für viele Menschen eine befremdliche Vorstellung. Dabei sind Implantate gerade bei den häufigen Knochenbrüchen oder Verschleißerscheinungen an den Gelenken unverzichtbar geworden für einen guten Genesungsverlauf. Beim gemeinsamen Gesundheitsabend der Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf am Donnerstag, den 12.5.2016 im Kulturforum Oberalteich standen daher Schrauben, Platten, Kunstgelenke und Co. im Fokus.

Leitender Oberarzt Dr. med. Raimund Bauer von der Unfallchirurgie der Klinik Bogen informierte über moderne Osteosynthese, also Möglichkeiten Knochen zu korrigieren und zu stabilisieren. Künstliche Gelenke, darunter insbesondere das Hüftgelenk, waren Vortragsthema von Chefarzt Thomas Beer, Leiter der Unfallchirurgie der Klinik Mallersdorf.

Belastbar und gut verträglich

Nach einem Bruch gehe es laut Dr. Bauer in erster Linie darum „Ruhe in den Knochen zu bringen". Manchmal reicht ein äußerlicher Gipsverband nicht aus, um die Fragmente in Position zu halten, da der Zug der Sehnen sie wieder einknicken lässt. In individueller Absprache mit dem Patienten und unter Berücksichtigung von dessen Lebensumständen und beruflichen Anforderungen entscheidet der Chirurg dann über die Art der internen Knochenfixierung. Sie reicht von der eher minimalistischen, dafür aber auch weniger stabilen Versorgung mit Drähten über die Verschraubung, über Platten und Marknägel bis hin zu nach außen ragenden Fixateuren. In aller Regel wird implantiertes Metall nach einiger Zeit wieder ohne großen Aufwand entfernt. „Moderne Implantate aus Titan sind gut verträglich und belastbar", erklärte Dr. Bauer. Die größere Schwachstelle liege eher in der Knochenqualität. Hier geben winkelstabile Schauben mehr Halt. Das Leben mit einem Implantat sei unproblematisch, sofern man sich vernünftig bewegt und nicht überlastet. An Bildbeispielen zeigte Dr. Bauer die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. So könne auch eine Gelenkprothese vermieden oder hinausgezögert werden, wenn beispielsweise nach Oberarmbruch der Schulterkopf fachgerecht mit winkelstabilen Schrauben und Platte versorgt wird. Auch das Fortschreiten einer Kniearthrose wird durch eine Beinachsenkorrektur eingedämmt und man gewinnt wertvolle 10 bis 20 Jahre, in denen man kein künstliches Kniegelenk benötigt.

Neues aus der Hüftendoprothetik

Ist bei stark schmerzendem Gelenkverschleiß, Oberschenkelhalsbruch oder abgestorbenem Hüftkopf doch einmal ein künstliches Gelenk nötig, so bietet die moderne Endoprothetik insbesondere für das Hüftgelenk sehr gute Versorgungsmöglichkeiten. Diese stellte Chefarzt Thomas Beer näher vor. Sie sei relativ komplikationsfrei und schonend durchzuführen, obwohl große Knochen betroffen sind. Die für die Genesung wichtige Mobilität sei schnell wieder erreicht, die Haltbarkeit mit durchschnittlich 15 bis 20 Jahren sehr lang. Der Eingriff werde für ein optimales Ergebnis vorab am Computer geplant. Ob das Kunstgelenk mit oder ohne Zement eingesetzt werde, spiele für den Patienten keine Rolle. Zementfreie Prothesen seien lediglich leichter zu wechseln und kommen daher eher bei jüngeren Patienten zum Einsatz. Allein die beschädigte Gelenkoberfläche zu ersetzen habe sich wegen des entstehenden Abriebs nicht durchgesetzt. Die Prothese aus Pfanne, Kopf und Schaft habe sich hingegen in vielfältigen Versionen und auch neuen OP-Techniken bewährt. So bildet zum Beispiel die minimal invasive Operation über nur einen kleinen Schnitt von vorne inzwischen eine gleichwertige Alternative zum etwas größeren Zugang von der Seite. Ganz ohne Implantat kommt die minimal invasive gelenkerhaltende Hüftoperation aus. Hier wird lediglich der Knochenwulst vom Hüftkopf entfernt, der zur Einklemmung führt. Als neues und deutschlandweit einzigartiges Verfahren stellte der Referent abschließend das sogenannte Impaction Grafting vor, bei dem selbst stark verminderte Knochenmasse soweit verdichtet wird, dass das Auswechseln eines Kunstgelenks so erfolgen kann, als wäre es die erste Endoprothese.


Im Anschluss präsentierten die Referenten an Modellen die verschiedenen Implantate und standen dem Publikum für Fragen zur Verfügung.