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Fit für den Freizeitsport?

Chefarzt Dr. Svend Hofmann berichtet aus Sicht eines Sportmediziners und Mannschaftsarztes über gesundheitliche Aspekte beim Neueinstieg

Stand-up Paddling, Trailrunning, Slacklining,... jährlich locken neue Trendsportarten ambitionierte Neueinsteiger, insbesondere in diesem Jahr, das vielen unfreiwillig viel Zeit beschert hat, sich sportlich neu auszuprobieren. Aus Sicht eines Sportmediziners und zertifizierten Mannschaftsarztes informiert hierzu Dr. med. Svend Hofmann, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie der Klinik Bogen.

Unfallchirurgie

Herr Dr. Hofmann, die Klinik Bogen ist umgeben von Naherholungsgebieten, die zu sportlicher Aktivität einladen. Welche Sportverletzungen hatten Sie in dieser Sommersaison am häufigsten zu versorgen?

Insbesondere Verletzungen der Sprunggelenke, Knie und Kreuzbänder waren zahlreich vertreten. Bei Fahrradstürzen ist oft der Schultergürtel betroffen. Ausrenkungen, Schlüsselbeinbrüche, Schultereckgelenkssprengungen und Bandverletzungen der Schulter wären hier zu nennen.

Unfallchirurgie

Wie kann man Sportverletzungen am wirkungsvollsten vorbeugen?

Die Sicherheit beginnt bei der Auswahl geeigneter Sportkleidung und Schutzausrüstung. Bevor man loslegt, sollte man sich zur Verletzungsprophylaxe gezielt aufwärmen, zum Beispiel nach dem Programm FIFA 11+, das von Vereinen verwendet wird, sich aber ebenso für Laien eignet.

Selbstüberschätzung ist eine häufige Verletzungsursache, beispielsweise auf zu anspruchsvollem Terrain. Bei der Selbsteinschätzung hilft auch die Borg-Skala, eine Belastungsskala für subjektiv empfundene Anstrengung, oder das Kriterium, ob man sich in Bewegung noch nebenbei mit jemandem unterhalten kann. Kondition, Kraft, Schnelligkeit und Gleichgewicht sollten gleichermaßen trainiert werden, die Muskulatur ganz besonders, da die Muskeln alle Gelenke schützen.

Gegen Verletzung der Sehnenansätze und Gelenke kann man mit einem langsamen Einstieg und allmählicher Steigerung vorbeugen.

Vom Rumpf, der sogenannten Core-Stability, und von den Füßen hängt viel ab. Schuhe sollten ans Terrain angepasst gewählt werden, z. B. spezielle Stollen für Fußballschuhe je nach Kunstrasen oder Echtrasen. Aber auch Barfuß laufen ist sinnvoll zur Stärkung der Bänder und Förderung von Sensorik und Gleichgewicht. Generell sollte man auf den Körper hören, denn er sendet wichtige Signale. Wer über die Schmerzgrenze trainiert, riskiert seine Gesundheit. Darüber hinaus sollte der Energie-, Nährstoff- und Flüssigkeitshaushalt beachtet werden, um erschöpfungsbedingte Fehler zu vermeiden.

Welche Herangehensweise würden Sie generell empfehlen, wenn man eine neue Sportart ausprobieren und intensiver weiterverfolgen möchte?

Schuhwerk sollte im Fachhandel erworben und unbedingt vorher anprobiert werden, nach Möglichkeit mit Ganganalyse und individuellen Einlegesohlen. Zur Ausrüstung zählt auch geeignete Sportkleidung, je nach Sturzgefahr zusätzlich Helm, Protektoren und Bandagen.

Bevor man intensiver trainiert, sollten die Grundlagen beachtet werden, wie die ergonomische Einstellung des Sportgeräts, zum Beispiel Sattel und Lenker beim Fahrrad. Von qualifizierten Trainern und guten Vorbildern sollte man sich die Bewegungsabläufe zeigen lassen. Eine technisch saubere Ausführung ist enorm wichtig zur Verletzungsprävention. Kraft allein reicht nicht. Wenn man langsam anfängt und sich kontinuierlich steigert, macht der Sport auf Dauer Spaß. Bei Muskelaktivität werden Endorphine, also Glückshormone, sowie Myokine ausgeschüttet. Letztere sind Botenstoffe, die alles im Körper positiv beeinflussen: Gefäße, Blutbild, Hirn- und Nervenwachstum, Darmtätigkeit und Darmflora.

Vor und nach einer Anstrengung gilt es, die Kohlehydratspeicher aufzufüllen. Eiweißreiche Kost dient dem Muskelaufbau. Die Flüssigkeitsbilanz und der Salzhaushalt spielen eine wichtige Rolle, besonders im Sommer. Nicht minder wichtig ist Entspannung nach dem Sport. Auch Profisportler legen ein Päuschen ein, denn nur im Schlaf regeneriert unser Körper, werden neu erlernte Bewegungsmuster erlernt, baut sich unsere Muskulatur auf, erholt sich unser Immunsystem von den Strapazen des stressigen Alltages, entrümpelt unser Gehirn.

Gibt es Empfehlungen, die Menschen in fortgeschrittenem Lebensalter dabei besonders beachten sollten?

Bereits ab den 30. Lebensjahr empfiehlt sich eine sportmedizinische Untersuchung bei Neu- und Wiedereinstieg nach längerer Sportpause, insbesondere zur Vorbeugung gegen den plötzlichen Herztod. Wichtiger als das tatsächliche Alter ist das biologische: trainierte 60jährige können genauso leistungsfähig sein wie nicht trainierte 20jährige. Generell müssen stets eventuell vorhandene Grunderkrankungen berücksichtigt werden.

Der Einstieg fällt leichter, wenn man auf von früher bekannte Sportarten aufbauen kann. Empfehlenswert ist im Alter besonders das Schwimmen. Hier sind alle Muskeln beteiligt, das Wasser entlastet durch den Auftrieb und die Gelenke und bietet einen Massageeffekt. Turnen fördert die Beweglichkeit und Koordination.

Beim Sport kann man Sozialkontakte pflegen und die frische Luft und Natur genießen - beides wichtige Faktoren für die Lebensqualität. Kraftsport ist auch im Alter sinnvoll, was sich am Beispiel der Schweiz zeigt. Hier haben sich Fitnessstudios in den Seniorenheimen für das Wohl der Bewohner bewährt. Das „Dopingmittel im Alter" sind Vitamine, besonders Vitamin D für das Immunsystem, den Muskel- und Knochenaufbau. Selbst im Profifußball wird es prophylaktisch und bei Verletzungen hochdosiert verabreicht.

Eine wichtige Rolle spielt in Ihrer Abteilung die Endoprothetik, also der operative Einsatz künstlicher Gelenke. Gibt es für Träger eines künstlichen Gelenks sportliche Einschränkungen?

Heilsversprechen, dass man mit künstlichem Gelenk „alles wieder machen kann", sind kritisch zu beleuchten. Generell ist vieles wieder möglich, was man anhand der Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft für Endprothetik sieht. Diese umfassen drei Kategorien für die jeweilige Endoprothese: empfehlenswerte, nicht empfehlenswerte und verbotene Aktivitäten. Letztere wären Stoßbelastungen aller Art. Beim Stolpern beispielsweise steigt die Belastung auf 12- bis 14-fache. Selbst bei einfachen Aktivitäten wie Gehen sollte man sich dessen bewusst sein, Stolperfallen beseitigen und das Gleichgewicht trainieren. Bei Revisionseingriffen, also dem Austausch einer Endoprothese, sind die Einschränkungen stärker als beim Ersteingriff.

Im Sinne der alten Römer wünscht die Bogener Klinik für Unfallchirurgie, Sportmedizin und Orthopädie ein "Citius, Fortius, Altius" (höher, weiter schneller) mit dem Wunsch des nicht stattfindenden Hals- und Beinbruches. Sport frei!