Kreisklinik Bogen
  • Klinik Bogen

    „menschlich und kompetent“

    Klinik Bogen
  • Corona / COVID-19

    „Wichtige Informationen für Patienten und Besuchspersonen“

    Corona / COVID-19
  • Intensivstation

    „Herzlich willkommen in unserem Team.“

    Intensivstation

Sich von Gallenkoliken nicht den Urlaub verderben lassen

Die Chefärzte Dr. Grohmann und Dr. Mauerer informierten beim Gesundheitsabend der Klinik Bogen im Kulturforum Oberalteich

Neuigkeiten 2021

Bild (aufgenommen von Elisabeth Landinger): vorne von links: Chefarzt Dr. med. Christian Mauerer, Chefarzt Dr. med. Mathias Grohmann, Stellv. Landrätin Rosi Deser, 2. Reihe v. l. Georg Kagermeier, Direktionsleitung der AOK Straubing, Christian Schwarz, Stellv. Vorstand Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf, Fördervereinsvorsitzender Wilhelm Lindinger.

Der Gesundheitsabend der Klinik Bogen zum Thema Gallensteine hatte am Donnerstagabend im Kulturforum Oberalteich ein großes und interessiertes Publikum zu verzeichnen, darunter etliche selbst Betroffene. Wilhelm Lindinger, Vorsitzender der Freunde und Förderer der Klinik Bogen e. V. stellte in seiner Begrüßung fest, dass Redewendungen wie „Da kommt mir die Galle hoch" oder „Gift und Galle" zurecht eine negative Bedeutung haben, wenn man die Schmerzen einer Gallenkolik bedenkt. Wie die moderne Medizin Patienten aus dem Teufelskreis wiederkehrender Beschwerden zurück zu Lebensqualität verhelfen kann, darüber referierten die Chefärzte Dr. med. Mathias Grohmann und Dr. med. Christian Mauerer von der Klinik Bogen.
Ob Gallengrieß oder „richtig große Brummer", weiche oder harte, viele oder nur einzelne Gallensteine: sie alle bergen laut Chefarzt Dr. Grohmann Risiken für schmerzhafte Koliken bis hin zu schweren Organschäden. Bei einem anatomischen Exkurs schilderte er, dass mit „Galle" in der Medizin eigentlich die Gallenflüssigkeit gemeint ist. Sie wird auch nicht in der Gallenblase produziert, die nur ein Speicherorgan ist, sondern in der Leber. „Ohne Galle wären wir nicht lebensfähig", erklärte Dr. Grohmann. „Sie wird für die Fettverdauung benötigt." Die fünf klassischen Risikofaktoren für die Bildung von Gallensteinen könne man sich aufgrund ihrer Initialen gut merken: female (weiblich), forty (über 40 Jahre), fair (blond), fertile (fruchtbar), fat (übergewichtig).

Als Goldstandard für die Erkennung von Steinen in der Gallenblase stellte Dr. Grohmann die Ultraschalluntersuchung vor. Die operative Entfernung mitsamt der Gallenblase sei hierbei Mittel der Wahl. Wandern Steine in den Gallengang, könne die Gallengangsspiegelung weiterhelfen, auch ERCP genannt (endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie). „Führen Gallensteine nicht zu Beschwerden, besteht in aller Regel kein Grund für eine Behandlung", schilderte Dr. Grohmann. Das sei bei der überwiegenden Mehrheit der Fall. Andernfalls bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit für erneute Beschwerden und Komplikationen. „Deshalb sollten sich Patienten mit symptomatischen Gallensteinen behandeln lassen", riet der Gastroenterologe. „Sie erreichen mit einer OP dauerhaft große Vorteile und Lebensqualität, denn eine Gallenkolik kehrt immer wieder, oft zur Unzeit: zum Beispiel im Flieger, auf Urlaubsreise oder bei einer Hochzeit."
Die operative Therapie bei Gallensteinleiden stellte Dr. med. Christian Mauerer vor. Er ist seit Jahresbeginn Chefarzt der Viszeralchirurgie an der Klinik Bogen und Ärztlicher Leiter des MVZ Minavis Bogen, Praxis für Viszeralchirurgie im FachArztZentrum Bogen. Er bringt am Standort seine Expertise unter anderem aus dem Universitätsklinikum Regensburg ein. Als besten OP-Zeitpunkt bei Gallensteinen nannte er das Kolik-freie Intervall, um eine ungeplante Notfall-OP mit höheren Risiken zu vermeiden. Minimal invasive Operationsverfahren, die sogenannte Laparoskopie, habe sich laut Dr. Mauerer gegenüber dem offenen Bauchschnitt durchgesetzt.

Letzterer komme nur noch beispielsweise bei starken Vernarbungen und Verwachsungen im Bauchraum zum Einsatz. Der Facharzt für Viszeralchirurgie gewährte in Bildern einen Einblick in den OP der Klinik Bogen inklusive einer kleinen Geräte- und Instrumentenkunde. Über vier kleine Schnitte erreicht der Operateur die Gallenblase mit den OP-Instrumenten und einer Videokamera. Nach der Herauslösung der Gallenblase platziert er zwei Clips, um sie vom Gallengang abzusetzen. „Eine völlig risikofreie OP kann niemand anbieten, denn jeder Patient ist anders", schränkte Dr. Mauerer ein und fügte hinzu: „Zusammengefasst ist der Eingriff jedoch ein sehr stark standardisiertes Verfahren, das an der Klinik Bogen in großer Zahl mit entsprechender Routine und Erfahrung durchgeführt wird." In der Regel dauert der Klinikaufenthalt hierfür zwei Tage. Es erfolgt eine Ultraschallkontrolle, Kostaufbau, Kontrolle der Entzündungswerte, eventuell eine Antibiotika-Gabe und der Stuhlgang müsse vor Entlassung funktionieren. Eine Krankschreibung wird meist für eine Woche ausgestellt, bei körperlich belastendem Beruf auch für mehrere Wochen, um Bauchwandbrüche an den Schnittstellen zu vermeiden. „Es kann ein bis zwei Wochen dauern, bis man fetthaltige Speisen verträgt", zog Dr. Mauerer Bilanz, „aber ein Leben ohne Gallenblase ist ansonsten komplikationslos möglich."
Die rege Beteiligung an der Fragerunde zeigte, dass die Referenten mit ihren Vorträgen ein Thema getroffen haben, das Patienten unter den Nägeln brennt, da der Leidensdruck hoch und die Einschränkungen stark sind, wenn man jederzeit mit einer Gallenkolik rechnen muss.