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Stress: Alarmsignale erkennen, Auswege einüben

Gesundheitsabend über körperliche und psychische Auswirkungen

Neuigkeiten 2018

Dr. Dionys Daller, Verena Blindzellner, Dr. Ingrid Kölnberger und Dr. Thomas Kral.

Stress spielt in der modernen Lebenswelt eine große Rolle. Davon zeugte der rege Besucherandrang im Kulturforum Oberalteich am Donnerstag beim Gesundheitsabend, veranstaltet von der Klinik Bogen, AOK und Gesundheitsregion plus Straubing. Da die Ursachen und Auswirkungen so vielfältig und doch miteinander verknüpft sind, beleuchteten sie Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen: der Kardiologe Dr. Dionys Daller, internistischer Chefarzt der Klinik Bogen, Belegärztin Dr. Ingrid Kölnberger und Dr. Thomas Kral, beide Spezialisten des Orthozentrums Bogen, sowie die Entspannungspädagogin und AOK-Referentin Verena Blindzellner.

Beim Puls keine voreiligen Schlüsse ziehen

„Viele Menschen nehmen ihren Puls als beunruhigend wahr", stellte Dr. Daller fest. Doch nicht jede erhöhte Pulsfrequenz sei stressbedingt. Der Kardiologe erläuterte den Zusammenhang Herzfrequenz-Körpergröße-Lebenserwartung. Während das tonnenschwere Herz des Blauwals mit zwei bis fünf Schlägen pro Minute auskomme, liege der „kardiologische Wohlfühlbereich" beim Menschen bei 50 bis 80 Schlägen, wohingegen das Herz einer kleinen Maus zu rasen scheint.

Vor voreiligen Schlüssen warnte der Herzexperte jedoch: „Mehr Schläge pro Minute kosten nicht automatisch mehr Lebenszeit, denn die gesunde Spanne auf das ganze Leben gerechnet ist beim Menschen mit 2,5 bis 3 Milliarden Schlägen sehr weit." Zu unterscheiden sei zwischen „gutem" und „schlechtem" Stress. Ersterer wirke motivierend mit positiven Trainings- und Gesundheitseffekten sowie sinkendem Ruhepuls. Streitgespräche oder Erwartungsdruck verändern die Herztätigkeit zum Negativen. Kollektiv messbar waren erhöhte Herzinfarktraten nach den WM-Spielen 2006 mit der Nationalelf oder Katastrophen wie dem 11. September. Auch an der Klinik seien zu bestimmten Gelegenheiten vermehrt stressbedingte Herzprobleme zu beobachten: rund um die Weihnachtszeit, bei Verlust des Partners oder Umzug in ein Pflegeheim. Zur Stressvorbeugung und -bewältigung empfahl der Kardiologe regelmäßigen Ausdauersport, bei akutem Stress Atemübungen, eine Runde zu Fuß oder persönliche Bewältigungsstrategien, auch im Gespräch mit Mitmenschen oder professioneller Unterstützung.

Anspannung, Verspannung, Entspannung

Dass der heutige Dauerstress nicht mit dem punktuellen „Steinzeitstress" vergleichbar ist, führte die Orthopädin Dr. Kölnberger vor Augen: „Die körperliche Stressreaktion ist ein genetisches Programm, das automatisch abläuft und alles im Körper auf eine Fluchtreaktion einstellt. Es war überlebenswichtig für unsere Vorfahren, führt aber heutzutage dazu, dass wir Blackouts, Leere im Kopf, Unwohlsein und Verspannungen verspüren." Denken, Fühlen und Bewegungsapparat wirken zusammen. Stress in einem Bereich beeinflusst immer auch alle anderen und mündet schlimmstenfalls in eine Abwärtsspirale: den „Teufelskreis Schmerz". Dr. Kral veranschaulichte typische Körperregionen, in denen Verspannungen zu Sehnenansatzentzündungen führen können: Schultergürtel, Ellbogen, Becken und Hüfte, Füße und Wirbelsäule. Bekannt seinen Tennisellbogen oder Fersensporn, aber auch der stechende, vom Nacken in den ganzen Kopf hinein ausstrahlende Schmerz. Triggerpunkte, knotige Verhärtungen im Gewebe, können gut mit Einspritzungen, Akupunktur, TENS-Gerät oder Physiotherapie behandelt werden. Bei wiederkehrendem psychischem Stress und körperlichen Problemen empfahl der Orthopäde auch ein multimodales Vorgehen mit Psycho- und Verhaltenstherapie.

Praktische Tipps zum „Runterkommen"

Verena Blindzellner gab dem Publikum praktische Übungen auf den Weg, um es gar nicht so weit kommen zu lassen: die positive Beeinflussung der eigenen Gedanken, Entspannungstraining zum Abschalten am Abend, Achtsamkeitsübungen, um die Aufmerksamkeit auf sich selbst und die Signale des Körpers zu richten sowie bewusste Gedankenstopps in Konfliktsituationen mit Atemtechniken.