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Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

HNO-Facharzt Dr. Johann Federhofer bei einer Ohrenuntersuchung an der Klinik Bogen.

Tag gegen Lärm - „Alles laut oder was?“

5 Fragen an die HNO-Ärzte Priv.-Doz. Dr. Rohrmeier und Dr. Federhofer

Lärm empfinden die Menschen in Deutschland laut der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA e.V.) als stärkste Umweltbeeinträchtigung, allem voran den Straßenlärm, gefolgt vom Nachbarschafts- und Fluglärm. Für den 24. April 2019 wurde daher zum 22. Mal ein „Tag gegen Lärm – International Noise Awareness Day" ausgerufen, in Deutschland von der DEGA. Dieses Jahr steht er unter dem Motto „Alles laut oder was?" Die Fachärzte für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Priv.-Doz. Dr. med. Christian Rohrmeier und Dr. Johann Federhofer, die eine Praxis in Straubing betreiben und an der Klinik Bogen belegärztlich tätig sind, haben häufig mit den Folgen von Lärm in ihrer Praxis zu tun und stehen dazu Rede und Antwort.

Welchem Anteil der Patienten mit Hörschäden liegt Lärm als Ursache zugrunde?

Dr. Rohrmeier: Schwerhörigkeiten sind sehr häufig: Aktuell gibt es mehr als 1,3 Milliarden Menschen weltweit mit einem leichten Hörverlust, zudem mehr als eine halbe Milliarde mit einem deutlichen Hörverlust. Lärm spielt dabei als Ursache eine große Rolle. So ist die Lärmschwerhörigkeit in Deutschland mit mehr als 12.000 gemeldeten Fällen pro Jahr die häufigste Berufskrankheit.

Dr. Federhofer: Konkrete Zahlen von unseren Patienten sind schwer abzuschätzen. Spannend ist jedoch, dass auch schon bei vielen jungen Patienten im Hörtest Zeichen einer Lärmschädigung auffallen, obwohl diese noch keine Anzeichen davon bemerkt haben.

Ab wieviel Dezibel ist das menschliche Gehör in Gefahr und welchem Alltagsgeräusch entspricht dies in etwa? Was genau passiert darüber hinaus im Ohr?

Dr. Rohrmeier: Wenn Schall am Ohr lauter als 85 Dezibel ist, dann werden die Haarzellen in der Hörschnecke geschädigt, zuerst ungefähr im Bereich von 4.000 Hertz. 85 Dezibel entsprechen ungefähr dem Lärm an einer Hauptverkehrsstraße. Solche Schädigungen können sich anfangs noch erholen, je länger oder je lauter Geräusche auf das Ohr einwirken und je weniger Erholungszeit für das Ohr dazwischen bleibt, umso schneller entsteht ein irreversibler Schaden. Bei 3 Dezibel mehr ist die Energie des Schalles bereits doppelt so hoch, für die gleiche Schädigung reicht also bereits die halbe Zeit!

Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

PD Dr. med. Christian Rohrmeier, HNO-Belegarzt Klinik Bogen.

Wie kommt es Ihrer Erfahrung nach am häufigsten zu Hörschäden beim Musikhören und warum merkt man es manchmal erst, wenn es zu spät ist?

Dr. Federhofer: Bei einem Konzert oder im Club können sehr hohe Lautstärken bis weit über 100 Dezibel erreicht werden, so dass schon nach sehr kurzer Zeit ein Schaden des Gehörs entsteht. Kopfhörer werden jedoch oft täglich viele Stunden verwendet, so dass auch hier über die Zeitdauer ein hohes Risiko besteht. Entscheidend sind immer die Lautstärke und die Zeitdauer, welche Art von Musik, ob Klassik oder Techno spielt keine relevante Rolle.

Dr. Rohrmeier: Einen akuten Schaden, zum Beispiel nach einem lauten Konzert, merkt man oft an einem Pfeifen der Ohren oder einem dumpfen Gefühl, was nach einigen Stunden meist wieder vergeht. Der bleibende Hörverlust fällt jedoch häufig erst auf, wenn es schon zu spät ist, wenn also schon Probleme beim Hören in Gesellschaft bemerkt werden oder zum Beispiel das Vogelzwitschern nicht mehr gehört wird.

Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Dr. med. Johann Federhofer, HNO-Belegarzt Klinik Bogen.

Wie sieht es bei der Jagd und in Berufen mit hoher Lärmbelastung aus? Wird hier der Gehörschutz entsprechend ernst genommen?

Dr. Federhofer: Hier gibt es insbesondere aus dem militärischen Bereich gute Untersuchungen: In einer aktuellen griechischen Studie zeigten über 80% der Soldaten nach einer Gefechtsübung einen messbaren Hörschaden, der sich nur bei der Hälfte wieder erholte. Das heißt, dass bei über 40% der Soldaten nach 30 Tagen immer noch ein Hörverlust messbar war.
Ein Gehörschutz ist also sehr wichtig und fast allen ist auch bewusst, dass er sinnvoll ist. Leider wird er teilweise aus Bequemlichkeit oder auch weil er unpraktisch sei nicht immer getragen.

Welche Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten gibt es für das lärmgeschädigte Gehör und welche Rolle spielen die Psyche und das Herz-Kreislaufsystem?

Dr. Federhofer: Zur Abklärung des Hörvermögens werden Ton- und Sprachhörtests durchgeführt. Bei akuten Schädigungen, wie dem Knalltrauma, wird eine Therapie wie beim Hörsturz durchgeführt, nämlich mit hochdosiertem Cortison. Ist es zu einer irreversiblen Schädigung des Gehörs gekommen, so kommen als Therapie Hörgeräte in Frage.

Dr. Rohrmeier: Lärm, insbesondere wenn er nicht beeinflussbar ist, wird als lästig empfunden und ist ein Stressfaktor. Hier spielt Verkehrslärm verursacht durch Autos, Züge oder Flugzeuge eine große Rolle, jedoch auch zum Beispiel das Schnarchen des Partners. Dieser Stress stört unseren Schlaf, führt zu Nervosität und beeinflusst somit unser Herz-Kreislaufsystem. Lärm stellt somit einen Risikofaktor zum Beispiel für Bluthochdruck, Herzinfarkt, aber auch für Erschöpfungssyndrome und Depressionen dar. Hier kommen der Kardiologe und der Psychologe ins Spiel. Interessant ist, dass schon Geräusche ab einer Lautstärke von 45 Dezibel ausreichen, um unseren Schlaf messbar zu beeinflussen.