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Gallensteine: wann hilft die Endoskopie, wann eine OP?

Die Chefärztinnen Dr. Claudia Schott und Annette Buchert über die internistischen und chirurgischen Therapiemöglichkeiten an der Klinik Mallersdorf

Neuigkeiten 2021

Bild: Die Chefärztinnen Annette Buchert und Dr. med. Claudia Schott mit Bildern von einer chirurgischen und endoskopischen Behandlung der Gallenblase.

Kommen Gallensteinpatienten mit Koliken und Schmerzen im rechten Oberbauch an die Klinik, im Notfall auch mit Fieber und Gelbsucht, muss man zeitnah reagieren. Ob und wie dabei die Innere Medizin, die Viszeralchirurgie oder beide Fachrichtungen gemeinsam weiterhelfen können, darüber informieren die Chefärztinnen der Klinik Mallersdorf: Dr. med. Claudia Schott, Internistin, Gastroenterologin und Rheumatologin, und Annette Buchert, Chirurgin und Viszeralchirurgin.

Wann wird endoskopisch und wann operativ behandelt und, wenn beides erforderlich ist, in welcher Reihenfolge?
Chefärztin Dr. C. Schott: Im Notfall ist innerhalb von 24 Stunden eine sogenannte ERCP („Gallengangsspiegelung") erforderlich, denn dann liegen Zeichen einer Entzündung der Gallenwege vor. Dabei werden endoskopisch unter Röntgenkontrolle die Abflusswege wiederhergestellt. Der Gallengang wird von Schlamm, Steinen und Eiter befreit. Wenn er vorher unter Eiter stand, wird gegebenenfalls auch kleine Kunststoffprothese für einen noch besseren Abfluss eingesetzt.
Chefärztin A. Buchert: Bei Gallenstau mit Gelbsucht erfolgt erst eine ERCP zum Freiräumen der Gallenwege. Ansonsten hängt es vom Ergebnis der Laboruntersuchung und des Ultraschalls ab, ob die Patienten erst eine ERCP bekommen oder gleich operiert werden müssen. Bei einer Entzündung ohne Stau wird gleich als erstes operiert.

Was ist bei Gallensteinen ohne, mit und mit wiederkehrenden Beschwerden zu tun?

A. Buchert: Gallensteine haben viele, merken aber nichts davon. Asymptomatische Gallensteinträger müssen nicht gleich operiert werden, außer es liegen zusätzlich noch Polypen und bestimmte Risikofaktoren vor. Wenn Koliken auftreten, sollte die Gallenblase mitsamt den Steinen entfernt werden.
Dr. C. Schott: Wichtig ist immer die Antibiotikagabe gleich zu Beginn und die korrekte Diagnostik mit Ultraschall und Labor. Bei Gallenkoliken sind Entzündungen oft noch nicht im Ultraschall sichtbar, sondern machen sich erst bis zu 24 Stunden später bemerkbar. Dann muss man am Ball bleiben und konsequent nachbeobachten. Die Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften empfehlen bei Gallenkoliken jedoch immer die Gallenblase zu entfernen.

Frau Buchert, wie läuft eine Gallenblasenoperation ab und wie geht es danach weiter

A. Buchert: Regelhaft wird laparoskopisch, also minimal invasiv mit drei kleinen Zugängen operiert. Spätestens nach zwei bis drei Tagen können Operierte wieder nach Hause, was viele angesichts ihrer vorherigen heftigen Beschwerden überrascht. Nach einer Gallenblasenentfernung sind keinerlei Diät, Nachbehandlung oder Medikamente nötig. Dass man nach einer OP keine Umstellung erlebt liegt daran, dass die Gallenblase bei einer Steinbildung eigentlich schon gar nicht mehr ihre Funktion ausgeübt hat. Einer von 200 Gallensteinpatienten hat einen bösartigen Befund, also eine Krebserkrankung. Daher wird alles, was entnommen wird, nochmal pathologisch untersucht.

Warum entfernt man nicht nur die Steine, sondern gleich auch die Gallenblase?

Dr. C. Schott: Eine gesunde Gallenblase dickt den Gallensaft ein, kontrahiert sich und gibt diesen in den Zwölffingerdarm ab. Eine wandstarre Gallenblase ist hingegen wie ein abgehängter See ohne Strömung, in dem sich Sedimente ablagern. Steinbildung in der Gallenblase oder den Gallengängen ist auch Veranlagung und altersabhängig.

A. Buchert: Auskristallisierungen sind die Matrix für eine ständige Nachbildung von Steinen. Eine Komplettentfernung der Gallenblase empfiehlt sich, da man sonst auf Dauer nicht glücklich wird.

Vielen Dank für das Gespräch.