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Neuigkeiten 2019

Chefärztin Dr. Claudia Schott mit Ausrüstung gegen Zecken. (Foto: Elisabeth Landinger).

Chefärztin Dr. Schott kennt als Rheumatologin mit Outdoor-Erfahrung die Gesundheitsrisiken und gibt praktische Tipps

Wenn sie nicht gerade an der Klinik Mallersdorf mit ihren Patienten beschäftigt ist, findet Dr. Claudia Schott in der Natur einen guten Ausgleich zu ihrem Beruf als Chefärztin der Inneren Medizin, Gastroenterologie und Rheumatologie. Aus letzterem Fachgebiet und ihrer eigenen Outdoor-Erfahrung weiß sie um die Gesundheitsgefahren, die von Zecken ausgehen und gibt daher im Folgenden Tipps zur Vorbeugung und dem richtigen Umgang mit Zeckenbissen. Außerdem hat Sie als Gastreferentin beim 30. Gesundheitsabend der Klinik Bogen im Kulturforum Oberalteich zum Thema informiert (Die Klinik Bogen berichtete).

Frau Dr. Schott, welche Möglichkeiten gibt es, sich für Zecken uninteressant zu machen?

Durch die klimatischen Veränderungen und den heißen Sommer voriges Jahr ist 2019 zum Zeckenjahr geworden. Durch das vermehrte Zeckenaufkommen erwarten wir ein erhöhtes Infektionsrisiko. In Risikogebieten tragen ein bis zwei von zehn Zecken Borreliosebakterien und durchschnittlich zwei Prozent der Zecken FSME-Viren in sich. Insofern kann man den Blutsaugern gar nicht aus dem Weg gehen, sondern nur drei Dinge besonders beachten. Erstens die Expositionsprophylaxe durch lange geschlossene Kleidung. Am besten steckt man noch die Hosenbeine in die Socken und meidet bei den Naturaufenthalten hohes Gras, Gebüsch und Unterholz. Als zweite Maßnahme empfiehlt sich Zeckenspray. Drittens sollte man nach jedem Aufenthalt im Freien eine Zeckenschau vornehmen.

Was ist bei und nach der Zeckenentfernung zu beachten?

Das Risiko der Borrelioseübertragung steigt mit zunehmender Saugzeit. Daher sollte man Zecken möglichst bald entfernen. Am besten geeignet sind meines Erachtens Metallzangen, deren Spitze leicht gebogen ist, da man damit die Zecke am besten fassen kann. Die Zecke soll nicht herausgedreht sondern einfach zwischen Kopf und Körper gepackt und kontrolliert weggezogen werden. Die Mundwerkzeuge können dabei in der Haut steckenbleiben, fallen aber im Heilungsverlauf von selbst ab. Zum Arzt muss man dann, wenn sich an der Einstichstelle ein roter Fleck bildet, der sich ringförmig und schmerzlos von der Mitte her ausweitet. Diese sogenannte Wanderröte ist bereits das erste Stadium von Borreliose.

Wovor schützt die „Zeckenimpfung", wovor nicht?

Die Zeckenimpfung bietet Schutz vor Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, einer viralen Form der Hirnhautentzündung. Allen Menschen, die in einem Risikogebiet wohnen oder sich dort länger aufhalten, wird sie empfohlen, ebenso Berufsgruppen in der Land- und Forstwirtschaft, die sich viel in der Natur aufhalten. Fast ganz Bayern zählt zum Risikogebiet. Gegen Borreliose, eine bakterielle Erkrankung, gibt es keine Impfung.

Woran liegt es, dass Borreliose oft erst sehr spät erkannt wird?

Es liegt daran, dass es bei Borreliose verschiedene Stadien gibt und verschiedene Organsysteme betroffen sind. Dadurch tritt sie nicht als einheitliches Krankheitsbild in Erscheinung und die Beschwerden werden gelegentlich mit anderen Krankheiten verwechselt. Bei einem positiven Labortest kann man oft nicht unmittelbar unterscheiden, ob er Ausdruck einer aktiven Erkrankung ist oder ob er nur positiv ist, weil der Betroffene schon einmal mit Borrelien in Kontakt war. Im Frühstadium können Testergebnisse sogar vollständig negativ sein. Nur etwa die Hälfte der Borreliosepatienten kann sich an einen Zeckenstich erinnern. Der Bezug dazu ist also oft gar nicht gegeben.

Wie läuft die Behandlung bei Borreliose ab und lässt sie sich ganz ausheilen?

Im Frühstadium erfolgt eine dreiwöchige Antibiotikatherapie in Tablettenform. In den mittleren und Spätstadien muss man die Antibiotika als Infusionen über mehrere Wochen verabreichen. Es sollte immer eine Erregersicherung vorangehen. Das erfolgt bei den mittleren und Spätstadien durch eine Lumbalpunktion. Dabei wird Gehirnwasser aus dem Bereich der unteren Lendenwirbelsäule gewonnen und auf Borrelien-DNA untersucht. Borreliose lässt sich im Frühstadium gut ausheilen, aber je fortgeschrittener die Erkrankung desto mehr neigt sie zur Chronifizierung.

Vielen Dank für das Gespräch.