Kühlen Kopf bewahren bei Kindernotfällen
Dr. med. Thomas Etti informierte beim Gesundheitsabend der Klinik Bogen über Prävention, neuartige Gefahren und richtige Reaktion im Ernstfall
Auch wenn es in Stadt und Landkreis Straubing-Bogen kein Kinderkrankenhaus gibt, verfügen die Notärzte der Region aufgrund ihrer Ausbildung und Einsatzerfahrung doch über fundiertes Wissen, was bei Kindernotfällen zu tun ist. Dieses hat Dr. med. Thomas Etti, M.B.A. von der Interdisziplinären Notaufnahme der Klinik Bogen beim Gesundheitsabend der Klinik Bogen am 30.04.2026 im Kulturforum Oberalteich mit einem interessierten Publikum geteilt. Die Kernbotschaft des Notarztes und Klinischen Akut- und Notfallmediziners: Prävention ist wichtig und wenn doch etwas passiert, können Erwachsene mit einfachen Maßnahmen und einem kühlen Kopf die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes entscheidend überbrücken.
Wichtiger als Messwerte sei oft der erste Eindruck: Allgemeinzustand, Hautfarbe und Atmung. Blässe, marmorierte Haut oder Bewusstseinsveränderungen sind klare Alarmsignale. Auch kleine Hinweise zählen: kalte Hände trotz warmer Arme können auf eine Zentralisation, etwa bei Flüssigkeitsmangel, hindeuten. Ein einfacher Test ist die sogenannte Rekapillarisierungszeit am Fingernagel. Dauert nach längerem gedrückt Halten die Rückfärbung von weiß nach rosa länger als drei Sekunden, kann ein Schock bevorstehen.
Von links: Stellv. Landrat Bernhard Krempl, Manuela Buch vom Vorstandssekretariat der Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf, Dr. med. Thomas Etti, M.B.A., Facharzt Interdisziplinäre Notaufnahme Klinik Bogen, und Christian Schwarz, Vorstand Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf (Foto: Elisabeth Landinger).
Beim Thema Fieber räumte Dr. Etti mit einem verbreiteten Irrtum auf: Entscheidend ist nicht die Höhe der Temperatur, sondern der Zustand des Kindes. Spielt es noch fröhlich, ist Fieber meist unproblematisch. Wirkt es apathisch, blass oder benommen, besteht Handlungsbedarf. Fieber ist grundsätzlich eine Schutzreaktion.
Neben klassischen Notfällen ging der Referent auch auf aktuellere Gefahren ein: koffeinhaltige „Hallo-wach-Kekse" oder Melatonin-Gummibärchen als „Einschlafhilfe" können zu Verwechslungen mit gewöhnlichem Naschwerk und bei Kindern daher leicht zu Vergiftungen führen. Neuere Gefahren lauern bei Mutproben mit scharfen Chips oder Lachgas als Droge. Im Haushalt bergen Knopfzellen, Magnete oder Medikamente Risiken. Besonders warnte Dr. Etti vor einer Überdosierung von Nasentropfen bei Kindern und empfahl stattdessen Kochsalzlösung.
Ein zentraler Punkt war das Zusammenspiel von Eltern und Rettungskräften. Ruhiges Verhalten stabilisiert das Kind und ermöglicht eine bessere Versorgung. Eltern sind in dieser Situation wichtige Partner, indem sie das Kind beruhigen und begleiten sowie das Rettungsteam informieren.
Praktische Hinweise ergänzten den Vortrag: Bei Fremdkörpern helfen Rückenschläge beim aktiven Husten, nicht aber beim Luftholversuch. Nach Stromunfällen sollte wegen der Gefahr von Herzrhythmusstörungen immer eine Abklärung im Krankenhaus erfolgen. Ausgeschlagene Zähne können in einer Zahnrettungsbox, H-Milch oder Wasser transportiert und oft wiedereingesetzt werden. Verbrennungen sollten mit handwarmem Wasser gekühlt, Kleidung nicht entfernt werden.
Auch Allergien und Vergiftungen waren Thema. Warnzeichen sind etwa Schwellungen, Atemprobleme oder eine heisere Stimme. Ein Adrenalin-Pen kann im Ernstfall lebensrettend sein, der Umgang damit sollte von allen im Umfeld des Kindes geübt werden.
Zur Wiederbelebung erklärte Etti: Bei Kindern gilt in der Regel ein Verhältnis von 15 zu 2 beim Drücken und Beatmen, bei größeren Kindern und Erwachsenen 30 zu 2. Entscheidend ist, die Atmung zu kontrollieren und die Atemwege freizuhalten.
Fazit: Kindernotfälle sind belastend, doch wer Warnzeichen erkennt, vorbereitet ist und ruhig bleibt, kann entscheidend helfen.
Information:
Die Klinik Bogen steht auch als nicht auf Kinder spezialisierte Klinik für Anfragen Erwachsener, die ein praktisches Training zu Kindernotfällen absolvieren möchten, gern zur Verfügung. Anfragen bitte an .







