Pillenkamera sendet live aus dem Dünndarm
Kapselendoskopie an der Klinik Mallersdorf für schwer einsehbare Darmabschnitte
Sie ist winzig, blitzt im Sekundentakt und liefert hochwertige Bilder aus den entlegensten Dünndarmabschnitten: die „Pillenkamera" - ein Videokapselendoskop, das auch in der Inneren Medizin und Gastroenterologie der Klinik Mallersdorf unter der Leitung von Chefärztin Dr. med. Claudia Schott bei besonderen diagnostischen Fragestellungen zum Einsatz kommt.
Der Dünndarm galt bis zur Einführung der innovativen Videokapsel als weitgehend uneinsehbarer Bereich. Bis heute bieten nur wenige hochspezialisierte Zentren die anspruchsvolle Doppelballon-Endoskopie zur Dünndarmuntersuchung an, mit entsprechendem Risiko für Darmrisse. Nun kann der Dünndarm jedoch auch vor Ort an der Klinik Mallersdorf völlig risikofrei, schonend und mit hochauflösender Bildgebung untersucht werden.
Oberarzt Stefan Christl mit einem Videokapselendoskop in der Hand und ausgelesenen Bildbefunden am Monitor im Hintergrund (Foto: Elisabeth Landinger)
Möglich macht dies die Schluck-Kapsel mit Kamera und eigener Lichtquelle, die ohne eigenen Antrieb durch den Körper reist und währenddessen gestochen scharfe Aufnahmen liefert. Nachdem die Leistung mehrere Jahre im Verbund mit der Klinik Bogen erbracht worden ist und der Bedarf gestiegen war, hat die Klinik Mallersdorf nun selbst die Möglichkeit der Befundung vor Ort in der Gastroenterologie eingerichtet. Der Vorteil der Auslesung der Bildbefunde im Haus ist laut Oberarzt Stefan Christl, „dass der Patient als Ganzes im Blick bleibt und man weiß, wo man hinsehen und gezielt suchen muss." Christl hat als weiterer Facharzt im Team neben Dr. Schott ebenfalls die Befundungskompetenz mit den hierfür erforderlichen Weiterbildungskursen erlangt.
Endoskopie für besondere Fragestellungen
Alle, die auf einen Ersatz für die herkömmliche Magen- und Darmspiegelung spekulieren, muss Oberarzt Christl etwas vertrösten: „Die Videokapsel kann die herkömmliche Magen- und Darmspiegelung nicht ersetzen, sondern nur ergänzen." Nur in speziellen Fällen und nur im relativ glatten Dünndarm kann sie ihre Vorteile ausspielen, denn die unbewegliche Kapsel kann nicht wie das manuelle Endoskop bei Falten „ums Eck schauen" und auch keine Polypen, also Krebsvorstufen, im selben Arbeitsgang abtragen.
Unklare Blutarmut im Fokus
„Die Hauptindikation für die Kapselendoskopie ist eine unklare Eisenmangelanämie", schildert der Oberarzt, „also Blutarmut, deren Ursache auch im Rahmen einer herkömmlichen Magen- oder Darmspiegelung nicht feststellbar war." Häufige Befunde, die mithilfe der Kapsel sichtbar werden, sind Gefäßveränderungen, die mit Strom oder Laser verödet werden müssen, entzündliche Veränderungen im Rahmen von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen - selbst auch so geringe, dass sie bei MRT-Untersuchungen noch nicht sichtbar sind. Bei 10 bis 15 Prozent aller mit Videokapsel untersuchten Patienten wird tatsächlich eine Blutungsquelle entdeckt, weshalb auch die Empfehlung der aktuellen medizinischen Leitlinien dieses Verfahren in den Vordergrund stellen.
Kapsel wird ausgeschieden, Befund bleibt gespeichert
Die Untersuchung selbst ist unkompliziert im Rahmen des stationären Aufenthalts durchführbar: Nach vorherigen Abführen wird die Videokapsel mit etwas klarem Wasser geschluckt. Vier Stunden später hat die Kapsel genügend Vorsprung, dass die Patienten wieder Essen können. Die integrierte Kamera nimmt während ihrer Reise durch den Magen-Darm-Trakt ein Bild pro Sekunde auf über einen Zeitraum von 3-12 Stunden und sendet diese drahtlos an einen außen am Körper getragenen Rekorder. Dieser kann auch Livebilder anzeigen. Die Kapsel ist ein Einwegprodukt und wird auf natürlichem Weg wieder ausgeschieden, wohingegen die aufgezeichneten Bilder im Empfangsgerät gespeichert bleiben und mit einem speziellen Computerprogramm ausgewertet und fachärztlich gesichtet werden.
„Wir haben bereits etliche komplexere Abklärungen bei Blutungen im Verdauungstrakt leisten und den Betroffenen eine geeignete Therapie vermitteln können", zieht Chefärztin Dr. Schott Bilanz vom ersten Jahr der hauseigenen Befundung. Dass diese etabliert werden konnte, würdigt sie als „gelungene Teamleistung der Endoskopie und IT-Abteilung".









